In den Herbstmonaten absolvierte ich ein Praktikum für meine Psychotherapieausbildung am Erlenhof in Prambachkirchen. In dieser Therapiestation können drogen- und alkoholabhängige Menschen eine Langzeittherapie machen. Am Vormittag arbeiten die KlientInnen in einem der drei Arbeitsbereiche, die es am Hof gibt und am Nachmittag nehmen sie an den Gruppentherapie- und Wohngruppensitzungen teil. In den drei Monaten meines Praktikums nahm ich an vielen Gruppengesprächen teil. Mit großem Respekt hörte ich zu, wenn KlientInnen über ihr Leben, über das was sie bewegt, kränkt und hoffen lässt, sprachen.
Und mit großer Bewunderung beobachtete ich, wie die KlientInnen des Erlenhofs versuchten eine neue Lebensspur, eine neue Lebensbahn zu beschreiten. Die alten Bahnen und Wege haben sie an den Abgrund ihres Lebens geführt und nun galt es eine neue Spur einzuschlagen.
Dieses Finden der neuen Lebensspur ist bei vielen mit radikalen Einschnitten und Veränderungen verbunden. Der alte Freundeskreis wird aufgegeben, meistens führt der neue eingeschlagene Weg nicht mehr in den Ort oder die Stadt zurück, wo man gewohnt hat. Das Verhältnis zur eigenen Lebensgeschichte, zu den Eltern oder Geschwistern erfährt oft schmerzhafte Verwandlungen und selbst der einmal erlernte Beruf wird oftmals zurückgelassen und neue Perspektiven werden erkundet.
Beim Bedenken des Erlebten ist mir wieder das Nikodemusgespräch aus dem Johannesevangelim in den Sinn gekommen. Jesus spricht vom Neu-geboren-werden durch den Heiligen Geist und vom Zurücklassen des alten Lebens. Selten habe ich Menschen getroffen, wie jene am Erlenhof, die so radikal versuchten mit dem alten Leben zu brechen und ein neues zu finden. Wir „Normalsterblichen“ und nicht so sensibel Fühlenden wünschen uns meistens für unser Leben, das alles so bleibt, wie es ist. Der Gott Jesu ruft uns in die Verwandlung: Das Alte loslassend und das Neue empfangend.