„Leistung muss sich in Österreich lohnen“

„Ja, Leistung muss sich in Österreich lohnen und darf nicht bestraft werden“ sagt Therese Niss, Bundesvorsitzende der Jungen Industrie im SN-Interview vom 5.1.2012. Das erste was, diese Aussage mit mir macht, ist, dass sie mich ärgert. Warum?

Vielleicht bin ich einfach nur neidisch, dass ich nicht als leistungsstarkes Baby in eine Industriellenfamilie hineingeboren wurde und mir schon im Alter von 5 Monaten ein Vermögen erarbeitet und erleistet habe, von dem der Durchschnittsösterreicher nur träumen, es aber in seinem Arbeitsleben nicht erreichen kann.

Vielleicht ärgert mich diese Aussage deswegen, weil ich an meine Frau denke, die derzeit sehr viel leistet, aber von keinem Arbeitgeber dafür bezahlt wird. Meine Frau arbeitet zuhause, weil sie in der Hauptsache die Betreuung, Versorgung und Erziehung unserer sechs Kinder über hat. Nicht zu vergessen ist ihr Engagement für ihre 75jährige Tante und ihren 86jährigen Onkel, die zwar rüstig in eigener Wohnung im selben Haus mit uns leben, aber doch auch Zeit und Aufmerksamkeit, die sie ihnen gerne gewährt, beanspruchen. Und da ich diese Zeilen schreibe, fallen mir noch ihre Leistungen ein, die sie u.a. erbringt, indem sie einen Kinderchor und die öffentliche Bibliothek der Pfarre leitet. Wenn meine Frau den Satz befolgen würde, den Therese Niss als Vision für Österreich ausgibt, dann würde sie nicht zu Hause sein, wir würden keine sechs Kinder haben, Onkel und Tante wären im Altersheim und anstatt der einzubindenden Bücher für die Pfarrbibliothek und der Noten für den Kinderchor würden sich die Gehaltszettel auf ihrem Schreibtisch stapeln.

Vielleicht ärgert mich dieses Satz deswegen, weil ich mir einfach wünsche, dass Leute, die so etwas hinausposaunen, einfach mal nachdenken sollen, was denn das bedeuten könnte „Leistung“. Ich gehe davon aus, das alles wirklich Wertvolle, was wir Menschen hervorbringen können, nicht verrechnet werden kann in einem Schema von Leistung und Entlohnung. Wieviel wert ist die wertschätzende Haltung, die ich einem Klienten entgegenbringe, der mich in meiner Praxis aufsucht? Wieviel ist die Unterrichtsstunde einer Lehrerin wert, in der die SchülerInnen mit Begeisterung dabei sind? Wieviel ist es wert, wenn eine Altenpflegerin mit Achtsamkeit und Ruhe einen pflegebedürftigen Menschen badet? Wieviel wert ist der Einsatz für Menschenrechte und ökologische Nachhaltigkeit?

Und vielleicht ärgert mich dieser Satz auch deswegen, weil ich daran denke, wieviel in unserer Welt durch sogenannte wirtschaftliche und politische Leistungsträger schon zerstört worden ist. Eine Industrie, die viel leistet, indem sie möglichst schnell und umfangreich die Ressourcen dieser Erde aufbraucht, sollte meines Erachtens eher bestraft als belohnt werden.

Leistung alleine, ist wie das Fahren ohne Ziel mit 220 km/h auf der Autobahn.

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Über ausserwoeger

Philosoph, Theologe; Dipl. Lebens- und Sozialberater; Psychotherapeut i. A. u. S. (Systemische Familientherapie)
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Eine Antwort zu „Leistung muss sich in Österreich lohnen“

  1. Christoph schreibt:

    …..mir aus dem Herzen gesprochen!
    Kennen Sie diesen Blog: http://affenmaerchen.wordpress.com/ ?
    Weder bin ich der Autor noch mit diesem verbunden, aber ich unterstütze die Ziele so gut ich kann…..

    Gruß, Christoph

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