Zwischen Macht und Authentizität

Ich war heute Abend beim Journalistenforum, wo Hildegard Wustmans, Professorin für Pastoraltheologie an der KTU-Linz, den Journalisten Rede und Antwort stand. Wustmans brachte u.a. die Differenzierung zwischen „potestas“ und „auctoritas“ ein. Mit Potestas ist die Macht eines Menschen gemeint, die er/sie aufgrund eines Amtes innerhalb einer Institution hat. Auctoritas wird einem zugesprochen, sie kann nicht amtlich verliehen werden, sie muss im Vertrauen riskiert werden. auctoritas (Autorität) hat m.E. auch viel mit Authentizität zu tun.

Die Macht (potestas) von Menschen und Institutionen neigt immer zur Ängstlichkeit. Sie ist immer bedroht und muss abgesichert werden. Wer auf die eigene Macht baut, hat Angst vor den anderen und sucht Mittel und Wege sie klein zu machen. Die Katholische Kirche setzte seit der Konstantinischen Wende viele Jahrhunderte lang auf das effiziente Wirken der Macht. Begegnung in Freiheit mit den Menschen wurde ihr zunehmend fremd.

Die Authentizität eines Menschen hingegen wirkt anziehend und befreiend. Im Bewusstsein der eigenen Schwächen oder Unzulänglichkeiten muss der andere nicht klein gemacht werden. Das freie Wort solcher Menschen ist das notwendige Korrektiv für jede Institution.

Nach der Tempelreinigung (Lk 20, 1ff) kommen die Hohenpriester zu Jesus und fragen ihn nach seiner Macht. Sie fragen ihn, von wem er die Vollmacht bekommen hätte, dies im Tempel zu tun. Diese Frage nach der Macht, ist eine Frage, die die Institution des Tempels, eine Frage, die die institutionalisierte Religion im Gewand der Hohenpriester stellt. Für Jesus ist diese Frage nach der institutionalisierten Bevollmächtigung kein Thema. Für ihn zählt sein Vertrauen zu seinem Vater im Himmel; aus dem heraus er handelt.

Über ausserwoeger

Ausbildungen: Magister der Philosophie (Studium in München und Wien) Magister der Theologie (Studium in Linz) Dipl. Ehe- und Familienberater Psychotherapeut (Systemische Familientherapie)
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