Gibt es einen Trainingsplan für die Seele?

Immer wieder einmal gibt es Menschen in meinem Umfeld, die sich entschließen, etwas zu trainieren. Meistens geht es dabei um den Körper. Die einen beginnen im Fitnesscenter mit ihren Muskeln und andere bringen ihre Beine in Schwung, um bei einem Marathon mitzumachen. Sie beginnen regelmäßig zu üben. Neugierigkeitshalber habe ich mir im Internet Trainingspläne für einen Marathonlauf gesucht. Ich war erstaunt, wie genau diese Trainingspläne aufgebaut und wie konkret die Anweisungen waren. Und es ist erstaunlich, welch großartige Ergebnisse erzielt werden können, wenn jemand regelmäßig trainiert.

Diese Trainingspläne für einen Marathonlauf inspirieren mich zur Frage: Gibt es auch Trainingspläne für unsere Seele und für unseren Geist. Können wir unsere Seele, unsere Gedanken, Haltungen und Gefühle durch Übung formen, wie wir einen Körper durch Training formen können? Und wozu könnte das gut sein, wenn wir unsere Seele trainieren?

Die antiken Philosophen der Stoa oder die Epikuräer würden diesem Gedanken sehr viel abgewinnen können. Ja sie würden wahrscheinlich sogar sagen, dass das Training der Seele das wichtigste in einem Menschenleben ist. Leben war für sie LebensKunst und Philosophie die dazugehörige Lehre, die von der Kunst zu leben handelte. Zu dieser LebensKunst gehörte wesentlich dazu, seinen Geist und seinen Körper durch beständige Übung zu formen. Die antiken Philosophen nannten dies „cura sui – die Selbstsorge“

Der französische Philosoph Michel Foucault griff dieses Thema in seinem Buch „Sexualität und Wahrheit“ auf, wenn er schreibt:

„Ich halte es nicht für erforderlich, genau zu wissen, was ich bin. Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, was man am Anfang nicht war.“

Oder noch einmal derselbe Gedanke, wenn Foucault menschliches Existieren als Kunstwerk beschreibt:

„Erst durch diesen Prozess der Arbeit an sich selbst konstituiert sich das Subjekt, also nicht durch einen einmaligen Kraftakt, sondern durch beständiges Gestalten und Entwickeln eines eigenen Lebensstils. Ein solches Leben ist Lebenskunst. Die Arbeit an sich selbst mit Hilfe der Selbstsorge bringt die eigene Existenz als Kunstwerk hervor, ist wie ein Geburtsvorgang.“ 

Aber wie sieht so ein Trainingsplan für die Seele aus?

Über ausserwoeger

Ausbildungen: Magister der Philosophie (Studium in München und Wien) Magister der Theologie (Studium in Linz) Dipl. Ehe- und Familienberater Psychotherapeut (Systemische Familientherapie)
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